|
|
Triebwagen 9 soll wieder fahren! Wanderziele ab Haltestelle Wagenpark 100 Jahre Kirnitzschtalbahn
|
Die Signalstäbe Immer wieder beobachten die Fahrgäste interessiert den Austausch der Signalstäbe an den Kreuzungsstellen. Nicht alle können sich erklären welche Bewandtnis es damit hat. Deshalb möchten wir das gesamte System hier erläutern. Es gibt auf der Kirnitzschtalbahn drei eingleisige Streckenabschnitte
Für die ordnungsgemäße Durchführung des Bahnbetriebes ist es notwendig, stets sicherzustellen, dass sich nicht zwei Züge in einem eingleisigen Abschnitt entgegenkommen. Bei den meisten Straßenbahnbetrieben gibt es dafür mehr oder weniger aufwendige Signalanlagen. Auf der Kirnitzschtalbahn werden für die Sicherung Signalstäbe genutzt. Es gibt genau drei Signalstäbe - für jeden Abschnitt einen.
Befahren darf den Streckenabschnitt nur der Fahrer, der im Besitz des dafür gültigen Signalstabes ist. Somit müssen an jeder Kreuzungsstelle die Signalstäbe ausgetauscht werden. Wie funktioniert das aber bei Sonderfahrten? Sonderfahrten können entweder in einer eigenen Fahrplanlage verkehren, das ist aber nur im Winterfahrplan oder in den Tagesrandlagen möglich, dann ändert sich nichts an dem oben beschrieben Verkehrsablauf, es ist immer nur ein Zug in jedem Streckenabschnitt. Im Sommerfahrplan, wenn drei Züge im Einsatz sind, können Sonderfahrten nur in der Fahrplanlage der Planzüge verkehren. Damit sind dann zwei Züge gleichzeitig in einem Streckenabschnitt. Hier wird die Signalisierung um das Nachzugzeichen erweitert. Der erste Zug führt an der Zugspitze, als für den Gegenzug gut sichtbar, das Nachzugzeichen. Das bedeutet - es folgt ein weiterer Zug. An der Kreuzungsstelle lässt sich der Fahrer des ersten Zuges den Signalstab für den folgenden Abschnitt zeigen, nimmt ihn jedoch nicht mit. Der Fahrer des zweiten Zuges führt den Signalstab mit sich und tauscht ihn an der Kreuzungsstelle mit dem Fahrer des Gegenzuges. Damit darf der Gegenzug in den Abschnitt einfahren. Sind sogar drei Züge hintereinander, so führen die beiden ersten das Nachzugzeichen und der letzte Zug der Gruppe führt den Signalstab. Wie funktioniert das System zu Betriebsbeginn? Im Sommerfahrplan nimmt der erste Zug zum ausrücken alle drei Signalstäbe mit. Damit kann kein anderer Zug auf die Strecke fahren. Auf der zweiten Fahrt übergibt der Fahrer des ersten Zuges den roten und den grünen Stab an den zweiten Zug. Nun fährt er zwar ohne grünen Stab durch den Abschnitt Depot - Schneider Weiche, entgegenkommen kann ihm jedoch kein Zug, da sich der Stab "hinter" ihm befindet. Der zweite Zug fährt nun nach Bad Schandau und übergibt am Depot den roten Signalstab an den dritten Zug. Da er im Besitz des grünen Stabes ist, kann er bis zur Schneider Weiche weiterfahren. Hier findet nun die erste tatsächliche Kreuzung mit dem ersten Zug statt. Damit ist in allen drei Streckenabschnitten jeweils ein Zug und an den Kreuzungsstellen werden die Signalstäbe wie oben beschrieben getauscht Wie funktioniert das System zum Betriebsschluss? Hier gibt es die sicherungstechnische Besonderheit, dass die Züge nicht am Depot enden. Deshalb galt im Sommerfahrplan 2004 folgende Regelung: Zur Kreuzung 17:52 Uhr an der Schneider Weiche verblieb der grüne Stab auf dem in Richtung Lichtenhainer Wasserfall fahrenden Zug. Mit diesem fuhren wir nun vom Lichtenhainer Wasserfall zurück nach Bad Schandau: In seiner Fahrtanweisung zwischen Schneider Weiche und Depot stand die zusätzliche Eintragung "Auf liegengebliebenen Zug achten!". Entgegenkommen konnte ihm kein Zug, da er den grünen Stab hatte. Lediglich der Zug, den er an der Schneider Weiche in Richtung Lichtenhainer Wasserfall gekreuzt hatte, könnte noch im Abschnitt stehen. Da auf der gesamten Strecke nach den Regeln des Sichtfahrbetriebes gefahren wird, kann hier also nichts passieren. Zur Kreuzung 18:37 Uhr am Depot übergibt er den grünen und den blauen Stab an den Gegenzug und bekommt den roten Stab nur gezeigt. Damit ist sichergestellt, das der Abschnitt Richtung Bad Schandau frei ist. Nun fährt er ohne Stab weiter bis Bad Schandau. Anschließend fährt er von Bad Schandau ohne Stab bis zum Forsthaus und rückt dann ins Depot ein. Bei der Fahrt in Richtung Forsthaus muss er wiederum besonders auf den evtl. liegengebliebenen Zug achten. Die nächste Abfahrt vom Lichtenhainer Wasserfall in Richtung Bad Schandau findet erst nach der Ankunft am Forsthaus statt. Damit ist ein Entgegenfahren fahrplanmäßig ausgeschlossen. Sollte nun doch einmal der Triebwagen von Bad Schandau in Richtung Forsthaus so viel Verspätung haben, das der Zug vom Lichtenhainer Wasserfall bereits abgefahren ist, wird am Depot eine außerplanmäßige Kreuzung durchgeführt (das hat es laut Auskunft des Personals noch nie gegeben!).
Was es noch dazu zu sagen gibt Mit diesem System besteht eine einfache, aber sichere technische Sicherung der eingleisigen Streckenabschnitte. Zum Schluss stellt sich nun mancher vielleicht die Frage, warum gibt es dieses einfache System nur auf der Kirnitzschtalbahn? Zum einem verwenden es auch andere Betriebe durchaus noch bei Baustellenbetrieb und zum anderen ist es für diese Sicherung immer notwendig, dass genau ein Gegenzug vorhanden ist und diese Bedingung ist in größeren Betrieben nur selten gegeben. Die Grenze der betrieblich sicheren Abweichungen ist bereits zum Betriebsende auf der Kirnitzschtalbahn erreicht. Bei größeren Betrieben mit wesentlich mehr Personal und umfangreicheren Betriebsabwicklungen, könnten solche Abweichungen durchaus zu Fehlfahrten führen.
|