KIRNITZSCHTALBAHN

Bad Schandau - Lichtenhainer Wasserfall

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Eine Fahrt mit der Kirnitzschtalbahn

Vom Markt laufen wir durch die Kirchstraße, vorbei an einigen kleinen Geschäften, einem Cafe und einem Eisladen zum Basteiplatz. Früher fuhr hier schon die Kirnitzschtalbahn. Die Endstelle befand sich direkt an der Straßeneinmündung der B172. Damit sollten die Besucher die Bahn schon vom Markt sehen können. Mit der Verkehrszunahme nach dem Krieg gab es immer mehr Probleme mit den übrigen Verkehrsteilnehmern. So wurde die Endstelle erst ein kleines Stück zurückverlegt und im Jahr 1969 die heutige Endstellenanlage erbaut. So müssen wir noch ein kleines Stück entlang der Kirnitzsch laufen und sehen schon den gelb-weißen Zug stehen.

Die Fahrerin oder der Fahrer stehen auf dem Bahnsteig, ausgerüstet mit Schaffnertasche und Wechsler und verkaufen die Fahrkarten. Unpersönliche und kompliziert zu bedienende Fahrkartenautomaten gibt es hier nicht. Nachdem wir kostengünstig gleich Hin- und Rückfahrt gekauft haben, nehmen wir im Triebwagen platz. Die Wagen sind in den letzten Jahren alle mit Polstersitzen ausgerüstet worden, so dass zwar ein paar Sitze weniger als original zur Verfügung stehen, dafür aber die Landschaft noch besser zu genießen ist.

Pünktlich beginnt die Fahrt in Richtung Lichtenhainer Wasserfall. Gleich nach der Endstelle schwenkt das Gleis auf die Straße und bleibt bis zur Endstelle stets auf der Kirnitzschseite. Vorbei geht es an zahlreichen Pensionen und an der Kirnitzschtalklinik. Am Ortsausgang von Bad Schandau erreichen wir die erste Haltestelle "Pflanzengarten" (früher "Ostrauer Brücke"). Auf der rechten Seite folgen auf der gegenüberliegenden Kirnitzschseite noch weitere Häuser. Nach mehreren Kurven kommt rechts das Depot in Sicht. Die Wagenhalle hat seit dem Umbau 1994 noch vier Gleise, wovon eins mit Grube und Dacharbeitsstand ausgerüstet ist. Daneben sieht man noch einen eingleisigen Werkstattanbau. Auf dem Dach der Wagenhalle befindet sich die Photovoltaikanlage. Publikumswirksam sind zur Straßenseite einige Anzeigen über die jeweils aktuellen Leistungsdaten und ein kleiner Teil der Solarzellen angebracht. Unser Zug ist mittlerweile zum Stehen gekommen. Hier befindet sich jedoch keine Haltestelle, sondern die erste Kreuzungsstelle. Der Gegenzug wartet schon auf uns. Unser Fahrer steigt aus und tauscht mit dem Fahrer des Gegenzuges die Signalstäbe. Mit dieser simplen Technik ist gewährleistet, dass sich immer nur Züge in einer Richtung in dem eingleisigen Streckeabschnitt befinden. Hier gilt die einfache Regel - wer den gültigen Stab hat, darf fahren. Nun hat unser Fahrer den grünen Stab für den Abschnitt bis zur Schneiderweiche.

Vorbei an der Abstellfläche der Busse der OVPS sehen wir links die Gaststätte Waldhäus'l und erreichen kurz danach die gleichnamige Haltestelle. An der Haltestelle "Waldhäus'l" beginnt der Nationalpark "Sächsische Schweiz". Auf der weiteren Fahrt kann man tolle Felsgebilde beiderseits des Tales entdecken. Nach einem kurzen, engen Talstück eröffnet sich ein verhältnismäßig breiter Talabschnitt und wir erreichen die Haltestelle  "Ostrauer Mühle". Viele verlassen hier die Kirnitzschtalbahn, um mit Rucksäcken und allerlei Campinggerät zum nahe gelegenen Zeltplatz zu laufen. Wir fahren sehr dicht an der Kirnitzsch entlang, vorbei am Zeltplatz. Die Stützmauer wurde 2003 nach den Hochwasserschäden völlig neu aufgebaut. Im rechts gelegenen Wehr sind ab und zu ein paar ganz Mutige beim Baden zu beobachten. Ebenfalls auf der rechten Seite sind die Reste der ehemaligen Fischteiche zu sehen und dann folgt schon die Haltestelle "Mittelndorfer Mühle".

Nach einer scharfen Linkskurve und einer langgezogenen Rechtskurve ist bereits die Haltestelle "Forsthaus" da. Weiter geht die Fahrt und wir erreichen die zweite Kreuzungsstelle "Schneider Weiche". Vom Gegenzug ist noch nichts zu sehen. Ein Blick in den Fahrplan zeigt aber, dass es keinen Grund zur Beunruhigung gibt. Die Fahrzeit zwischen den beiden Kreuzungsstellen beträgt nur 12 Minuten, so dass wir nun noch 3 Minuten auf den Gegenzug warten müssen. Durch diese Fahrplangestaltung werden kleine Verspätungen, die durch das Kassieren des Fahrers schnell entstehen können, ohne Probleme ausgeglichen.

Nach kurzer Zeit kommt jedoch nicht der planmäßige Zug, sondern einer der Museumswagen mit einer lustigen Gesellschaft angefahren. Unser Fahrer zeigt ihm den Signalstab, gibt ihn jedoch nicht dem Fahrer. Der Fahrer des Museumswagens hat an die Frontscheibe eine kleine gelbe Tafel mit einem grünen Dreieck gesteckt - das Nachzugzeichen. Damit weiß unser Fahrer, dass noch ein Zug folgt und immer der letzte Zug muss den Signalstab führen. Dann kommt auch der Planzug und die Fahrer tauschen wieder die Signalstäbe aus. Jetzt können auch wir die Fahrt fortsetzten.

Die nächste Haltestelle heißt "Nasser Grund". Ursprünglich lag diese genau an der Einmündung zum "Nassen Grund", wo sich heute ein kleiner Parkplatz befindet. Damit die Haltestelle im Geraden liegt und in der ohnehin unübersichtlichen Kurve nicht noch zusätzliche Gefährdungen entstehen, wurde sie 1972 ungefähr 200 m weiter in Richtung "Lichtenhainer Wasserfall" verlegt. Nach der Haltstelle folgen noch zwei Bögen und dann kommen die beiden längsten geraden Abschnitte der gesamten Strecke. An der kleinen Kurve zwischen den Geraden befand sich bis 1927 die Kreuzungsstelle "Kroatenschlucht". Wer genau hinschaut kann erkennen, dass die Bäume nicht ganz parallel zur Straße stehen, so wie damals die Gleise lagen. Die nächste Haltestelle ist "Beuthenfall". Hier verlassen Einige die Kirnitzschtalbahn, um zu mehr oder weniger großen Wanderungen aufzubrechen. Die nun folgende 90° Kurve hat den Namen "Fischkopf", der von der Felsformation her rührt, übrigens ein schönes Fotomotiv. Vorbei an der "Haidemühle", einem heute leider dem Verfall preisgegebenen Objekt, erreichen wir die Endstelle "Lichtenhainer Wasserfall".

Nachdem der Zug angekommen und alle Fahrgäste ausgestiegen sind, bremst der Fahrer die Beiwagen mit der Handbremse fest, kuppelt den Triebwagen ab und fährt auf die andere Seite, um die Beiwagen für die Rückfahrt wieder anzukuppeln. Erst nach dem ordnungsgemäßen Ankuppeln dürfen die Fahrgäste einsteigen, früher war diese Reihenfolge schon allen Kindern bekannt, heute müssen die Fahrgäste immer durch den Fahrer darauf hingewiesen werden.

Nach dem Ankuppeln und dem Lösen der Beiwagenbremse bleibt nicht viel Zeit bis zur Abfahrt. An diesem Streckenende brauchen meist nicht so viele Fahrkarten neu verkauft werden, sondern der Fahrer  muss nur die Rückfahrt mittels Zange entwerten.

Die Rückfahrt erfordert von den Fahrern eine sehr hohe Konzentration, da der Autoverkehr ihnen stets auf dem Gleis entgegenkommt. Zwar weisen große Schilder die Kraftfahrer auf das richtige Verhalten hin, doch zwischen dem Lesen und  Verstehen und dem richtigen Handeln gibt es oftmals erstaunliche Schwierigkeiten.

Lassen Sie deshalb ihr Auto lieber am Elbkai stehen und genießen sie die Schönheiten des Kirnitzschtals bei einer Fahrt der Kirnitzschtalbahn.